Unnötig lange Streckensperrungen

Vom 9. bis zum 16. Mai 2025 wurde die Tauberbahn zwischen Rot am See und Crailsheim gesperrt. Als Grund dafür wurden Arbeiten an einem Bahnübergang bei Beuerlbach genannt. Dabei wurde gar nicht an dem Bahnübergang über die Tauberbahn gearbeitet, sondern an einem an der benachbarten Strecke von Crailsheim nach Nürnberg. Selbst wenn es Verbindungen zwischen beiden Bahnübergängen gibt erscheint es nicht nötig, die Tauberbahn dafür zu sperren und die Fahrgäste auf Schienenersatzverkehr mit Bussen zu verweisen. Notfalls hätte man den Bahnübergang mit Streckenposten sichern können, wie das an anderen Stellen schon mehrfach erfolgte.

In der Zeit vom 26.07. bis zum 13.09.2025 wurde die Tauberbahn zwischen Lauda und Tauberbischofsheim gesperrt. Grund dafür waren Arbeiten an der Brehmbachbrücke in Tauberbischofsheim. Nach unseren Beobachtungen wurden die Arbeiten, für die die Strecke tatsächlich gesperrt werden musste, in wenigen Tagen erledigt. Eine Sperrung über sechs Wochen war keineswegs erforderlich. Und wenn man die Strecke sperrt, weshalb erneuert man in dieser Zeit nicht auch die zweite sanierungsbedürftige Brücke in Tauberbischofsheim? Damit hätte man zumindest eine weitere Streckensperrung gespart.

Am Bahnhof in Weikersheim musste die marode Brücke über die Gleise abgebrochen werden. Deshalb wurde die Strecke zwischen Bad Mergentheim und Niederstetten am 15. und 16. November 2025 gesperrt. Die Abbrucharbeiten waren jedoch in viel kürzerer Zeit erledigt.

Instandsetzungsarbeiten an der Schieneninfrastruktur sind aber nicht in jedem Fall für Streckensperrungen verantwortlich. Vom 22. bis 28. November 2025 war die Strecke zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim wegen eines kurzfristigen Personalausfalls gesperrt.

Der Abschnitt Bad Mergentheim – Weikersheim war vom 28. März bis 12. April 2026 gesperrt. In diesen 16 Tagen lagen zwei Wochenenden und zwei Feiertage, d.h. 6 Tage, in denen nicht gearbeitet wurde und in denen es keinen baubedingten Grund für die Sperrung gab.

Wegen Bauarbeiten ist die Tauberbahn zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim vom 26. bis 30. Mai 2026 erneut voll gesperrt. Zwar ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die nehmen aber keine Fahrräder mit. Die Sperrung fällt in die Pfingstferien, in denen bei schönstem Wetter viele Radtouristen unterwegs sind, die gerne für eine Strecke auch die Bahn benutzen würden. Diese Möglichkeit entfällt.

Im Jahr 2027 soll eine Brücke bei Schrozberg saniert werden. Angekündigt ist schon jetzt, dass die Strecke dafür an 70 Tagen gesperrt wird. Dieser lange Zeitraum erscheint uns nicht zwingend erforderlich.

Zu den Streckensperrungen wegen Bauarbeiten kommen Zugausfälle, weil die Westfrankenbahn nicht genügend Personal hat, um ihre Stellwerke zu besetzen. Das war z.B. zwischen dem 15. Dezember 2024 und dem 16. Februar 2025 der Fall. Großen Ärger hat in dieser Zeit zudem ein schlecht organisierter und teilweise ausgefallener Schienenersatzverkehr geführt. Auch während der gesamten Sommerferien vom 26. Juli bis zum 13. September 2025 konnte die Westfrankenbahn statt zweier erneut nur eine Schicht besetzen. Frühmorgens und ab Spätnachmittag fielen die Züge zwischen Lauda und Crailsheim aus. Hinzu kommen weitere Zugausfälle und Verspätungen, die unangekündigt im laufenden Betrieb auftreten.

Bei den aufgeführten Streckensperrungen und Zugausfällen handelt es sich leider um keine vollständige Auflistung. Wir sind nur auf die in den Jahren 2025/26 eingegangen.

Die Haltepunkte Elpersheim, Markelsheim und Igersheim werden seit 14. Dezember 2024 nicht bedient. Der Grund sei die Sanierung des Bahnhofs Markelsheim. Begonnen wurden die Bauarbeiten dort aber erst im März 2026, d.h. mehr als ein Jahr später. Ab 14. Juni 2026 können zwar Elpersheim und Markelsheim wieder bedient werden. Dafür fallen aber Halte in Igersheim und Königshofen teilweise aus, weil Zeit fehlt, um die Anschlüsse in Lauda zu erreichen.

Die Folgen

Die Unzuverlässigkeit der Bahn führte leider dazu, dass sich viele Bahnkunden von ihr abgewendet haben und auf andere Verkehrsmittel umgestiegen sind. Wer will es ihnen verdenken? Unsere Befürchtung ist, dass die sinkenden Nutzungszahlen im schlimmsten Fall dazu führen könnten, dass Investitionen in die Tauberbahn aus wirtschaftlichen Gründen verschoben werden könnten.

Es ginge auch anders

Notwendige Arbeiten an der Schieneninfrastruktur könnten mit deutlich weniger Streckensperrungen ausgeführt werden als zuletzt. In früheren Zeiten erfolgten sie im laufenden Betrieb, indem sie zum Beispiel nachts ausgeführt wurden. Bei Brückensanierungen wurden Behelfsbrücken eingesetzt, bis die endgültigen Arbeiten abgeschlossen waren. Streckensperrungen wurden auf ein absolut nötiges Minimum reduziert, um den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Initiative Pro Tauberbahn vermutet, dass der Westfrankenbahn die Sperrungen wegen Bauarbeiten sehr gelegen kommen. Durch möglichst lange ausgedehnte Bauzeiten kann sie – vorwiegend während der Schulferien – ihren Personalmangel kaschieren.

Was ist zu tun?

Solange die Region die aufgeführten Unzulänglichkeiten widerspruchslos hinnimmt, dürfte sich kaum etwas ändern. Es kommt jetzt darauf an den Verantwortlichen deutlich zu machen, dass es so nicht weitergehen darf. Die Initiative Pro Tauberbahn schlägt deshalb vor, eine Interessengemeinschaft Tauberbahn zu gründen. Darin sollen sich Gemeinden und Institutionen organisieren, die ein Interesse an einer gut funktionierenden Tauberbahn haben und ihr gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale werfen, um Änderungen zu erreichen. Die Interessen der Bevölkerung müssen angemessen berücksichtigt werden. Die für einen pünktlichen und zuverlässigen Zugbetrieb nötigen Investitionen in die Schieneninfrastruktur sind vorzunehmen. Welche das sein könnten hat die Initiative Pro Tauberbahn in ihrem Zukunftskonzept aufgezeigt.

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